Allgemein, Baugeschichten

Der Glindower Ziegeleiturm

Ob man sich in ein Gebäude verlieben kann? Na klar! So geschehen an einem herbstlichen Novembertag 2019 im brandenburgischen Glindow.

Glindow. Hatte ich bis eine Woche zuvor auch noch nie gehört.
Wir befinden uns ca. 20 Kilometer südwestlich von Potsdam, genau genommen in einem eingemeindeten Stadtteil von Werder an der Havel. Am Ende des an diesem Sonntagmorgen so verschlafen wirkenden Ortes befindet sich die Ziegel-Manufaktur Glindow, welche sich mit dem Ziegeleiturm im wahrsten Sinne des Wortes ein Denkmal gesetzt hat.

Der 1890 errichtete Turm diente als Aufseherturm und beherbergt heute ein Museum, welches bedauerlicherweise über den Winter (November bis Februar) geschlossen hat. Zu gerne wäre ich die schmale Wendeltreppe empor gestiegen, um von oben auf das Werksgelände und den Glindower See zu blicken. Ob der Schornstein des inzwischen so seltenen Ringofens damals schon leicht schief stand? Ein Blick durchs Fenster in das winzig wirkende Innere wo ich an de Umfasssungsmauer der Treppe historische Bilder der Ziegelproduktion erkennen kann.

Die Geschichte der Glindower Ziegelproduktion geht bis ins 15. Jahrhundert zurück. Wegen der günstigen Lage am Wasser konnten die hier produzierten Ziegel in großen Mengen über die Havel nach Berlin und Potsdam transportiert werden. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts waren die Tonreserven in der unmittelbaren Umgebung weitestgehend aufgebraucht, sodass die Herstellung allmählich zurückging. Produziert werden die vorwiegend gelben und roten Backsteine in unterschiedlichen Formaten jedoch trotz einiger Unterbrechungen bis heute.  Man hat sich mit den handgestrichenen Tonziegeln auf die Restaurierung von Denkmälern spezialisiert und zeichnet sich durch eine weitestgehend originalgetreue Herstellung im Ringofen aus.

Jetzt stehe ich also vor diesem Schmuckstück an Bauwerk, präge mir die detailverliebten Muster ein, betrachte den achteckigen Turm von allen Seiten und suche Asymmetrien an dem so harmonisch strukturierten und gegliederten Baukörper. Wie ein Leuchtturm steht er elegant da, nur halt eben nicht unmittelbar von Wasser umgeben. Könnte auch irgendwo in England sein.

Am Ende bleibt mein Blick an der kleinen Uhr hängen, die sich an der ortszugewandten Seite befindet. Sie steht auf kurz vor sechs, die Zeit scheint stehen geblieben zu sein. Das ist sie hier tatsächlich auch.

Outdoor-Tipp: Da wo früher Ton abgebaut wurde, kann man heute wunderbar im Naturschutzgebiet „Glindower Alpen“ wandern und am Glindower See entlang spazieren gehen. 


Weitere Hinweise:

Bauzeit des Gebäudes: 1890

Derzeitige Nutzung (November 2019): Märkisches Ziegeleimuseum

Besucht: 03 / 11 / 2019

Adresse: Alpenstraße 44, 14542 Werder (Havel)

Quellen & Weiterführende Links:

Neue Ziegelmanufaktur Glindow
http://www.ziegelmanufaktur.com

Ziegeleimuseum Glindow, Wikipedia
https://de.wikipedia.org/wiki/Ziegeleimuseum_Glindow

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